Verträumtes Point-and-Shoot

Was will uns dieser Titel sagen? Ganz einfach, er soll andeuten, dass sich dieser Artikel damit beschäftigt, wie man am besten mit einer Point-and-shoot Kamera Wasserfälle so fotografieren kann, damit dieser “Dreamy-Effekt” entsteht.

Fangen wir zunächst mit ein wenig Theorie an:

Der “Dreamy-Effekt” entseht, wenn man fließendes Wasser, z. B. eines Wasserfalls oder eines Flusses (in dem vielleicht noch ein paar Steine liegen) mit einer langen Verschlusszeit fotografiert. Dieses Prinzip kann zum Beispiel auch auf Wellen angewendet werden – dann entseht allerdings eine Art Nebel.

Wenn man etwas höhere Wellen zum Beispiel in Küstennähe mit langer Verschlusszeit fotografiert, wird es so aussehen, als hätte sich eine dicke Nebelschicht über dem Wasser gebildet.

Die Kamera muss also so eingestellt werden, dass die Verschlusszeit besonders lang wird. Die folgenden Einstellungen können dabei helfen:

ISO: 100 oder niedriger

Blende: so weit zu, wie möglich (also hohe Zahl, z. B. 22)

Zudem hilft es, der Kamera zu einem festen Stand zu verhelfen. Dies kann man mit einem Stativ oder mit einem Bohnensack machen. Es kann aber auch reichen, die Kamera zum Beispiel auf einer kleinen Mauer oder auf einem Stein abzustellen.

Wenn man keinen Fernauslöser (Kabel, Infrarot, Funk) hat, sollte man zumindest den Selbstauslöser der Kamera einstellen. Beim Druck auf den Auslöser zählt ein Countdown (meistens 10 und/oder 2 Sekunden) herunter. Danach wird die Aufnahme gemacht. Auf diese Weise verwackelt man die Kamera beim Auslösen nicht.

Schon eine Verschlusszeit von 1/5 Sekunde beschert einen schönen “Dreamy-Effekt” bei Wasserfällen. Um diesen Effekt noch zu verstärken oder um zum Beispiel Nebel auf den Ozean zu zaubern, sollte es vielleicht schon eher eine Sekunde sein. Am Tag kann es unter Umständen zu hell sein, dass selbst ein Abblenden der Kamera und das Einstellen einer geringeren ISO-Empfindlichkeit nicht mehr ausreicht. Profis nutzen Neutral-Grau-Filter um die Verschlusszeit noch weiter zu verlängern. Diese sind in verschiedenen Stärken erhältlich (1-3 Blendenstufen und mehr). Neutral-Grau-Filter heißen im englischen neutral-density-filter, weswegen sie auch oft als ND-Filter bezeichnet werden.

Point-and-shoot Besitzer haben hier einen Vorteil, denn sie können einfach eine Sonnenbrille vor ihr Objektiv halten. Je stärker diese getönt ist, desto länger wird die Verschlusszeit. Spiegelreflexbesitzer bräuchten da schon eine von diesen Porno- tschuldigung, Police-Sonnenbrillen, um ihr komplettes Objektiv abdunkeln zu können. Wenn die Sonnenbrille einen leichten Farbstich aufweist, so ist dies nicht weiter schlimm, denn die digitale Kamera kann mit dem automatischen Weißabgleich meist sehr gut Gegensteuern. Für Fortgeschrittene ist auch eine spätere Korrektur am PC möglich.

Viele Point-and-shoots bieten leider nicht die Möglichkeit die Blende selbst einzustellen, manche erlauben noch nichteinmal die ISO-Empfindlichkeit einzustellen. Bei diesen Kameras lohnt es sich aber, einen Blick ins Handbuch zu werfen oder das Menü zu durchsuchen – einige bieten einen “Feuerwerkmodus” an, um Feuerwerk zu fotografieren. Dieser Modus versucht die Belichtungszeit so zu wählen, dass sie möglichst lang ist – genau das, was wir wollen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim ausprobieren.

Bis dahin: Drag the Shutter!