Die Zeit des Wartens

Ich habe ja bereits berichtet, dass eine Analog-Tour ansteht. Einfach mal wieder die alten Werte der Fotografie aufleben lassen. Am Samstag war es dann auch so weit. Mit Robert und Hendrik bin ich nach Lauffen am Neckar gefahren um die Stadt zu erkunden und vorallem um analog zu fotografieren. Lauffen ist ein knapp 11.000 Einwohner Örtchen und liegt, wie der Name vermuten lässt an der Elbe – nein, natürlich am Neckar (ca. 50km nördlich von Stuttgart).

Auf Grund der Wettervorhersage versuchten Hendrik und Robert verzweifelt ISO 400 sw-Filme zu bekommen. Ein in der heutigen Zeit wirklich schwierigen Unterfangen – zumindest im Einzelhandel. Es gibt noch Kleinblidfilme zu kaufen. Leider führen die meisten Läden nur Farbfilme oder wirklich schnöde SW-Filme wie den Agfa APX (ISO 100). Im Örtlichen Edeka wurde ich jedoch fündig. Ich konnte im innenliegenden Lotto/Totto Laden doch tatsächlich 3 Ilford HP5+ zu einem super Kurs erstehen. Später fiel dann auch auf, wieso die Filme so günstig waren… Abgelaufen im Januar 2010 und nur 24 Bilder 🙁 Naja, mal schauen ob die Bilder dennoch was werden. Der Film wurde ja vermutlich bei konstanter Temperatur gelagert (in der Nähe der Fleischtheke); vielleicht hat die Emulsion die Zeit ja unbeschadet überstanden…

Überrascht war ich von der Frage der Verkäuferin, sie wusste mit dem Ding was ich kaufen wollte nichts anzufangen. Ich erklärte ihr, dass es sich dabei um einen sw-Film Handelt und dass darauf früher aber eben auch noch heute Fotos abgelichtet werden. Wieso überrascht mich das? Weil die Verkäuferin, (ohne ihr zu nahe treten zu wollen) den Anschein erweckte, als hätte sie selbst noch die Zeit der Glasplatten mitgemacht.

Ein Bericht über die Tour durch Lauffen folgt bestimmt in Kürze. Ich wollte hier nur  bloß einmal anmerken, dass ich es kaum noch abwarten kann, bis das Entwicklerset von Spürsinn kommt und wir endlich loslegen können, die Negative zu entwickeln. Neben herkömmlichen Entwickler möchte ich auch Caffenol-C-M als Entwickler einsetzen. Die einzelnen Komponenten habe ich bereits vorbereitet. Sie sind schon in Wasser gelöst und warten nur noch darauf in gleichen Teilen gemischt zu werden. Wann geht das denn endlich los…?

Bis dahin: Drag the Shutter!

24 Stunden Heidelberg

Nach der Deutschlandreise plane ich nun das nächste Projekt – 24 Stunden Heidelberg. Eine Herausforderung, von der ich auf meiner Deutschlandreise zum ersten Mal in einem erstaunlichen Hörbucher gehört habe. Zusammen mit Robert werde ich am Samstag den 27.06.2019 Heidelberg im Detail erkunden.  Die Idee ist es 24 Stunden lang Fotos von Stadt und Leuten zu schießen. Der Reiz des Projekts ist sicherlich einen Ort über einen gesamten Tag hinweg zu erleben. Zu sehen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Dächer der Stadt berühren, wie sich die Altstadt mit Leben füllt und wie es am Abend immer mehr Leute in die Kneipenstraßen zieht.

Um 4:00 Uhr treffen wir uns am Samstag Morgen in Walldorf und fahren von dort gemeinsam nach Heidelberg. Dort angekommen heißt es dann 24 Stunden lang Dauerfeuer. Kaffee und Energy-Drinks werden uns wach und bei Laune halten.

Es wird an dieser Stelle einen ausführlichen Bericht geben. Bilder werde ich sicherlich bei Flickr in meinen Fotostream hochladen. Lasst euch überraschen – ich machs auch.

In diesem Sinne – Press the Shutter!

Update: Leider musste dieses Projekt auf Grund der schlechten Wetterlage verschoben werden. Sobald besseres oder zumindest beständigeres Wetter in Aussicht ist, werden wir uns diesem Projekt aber stellen 🙂

Verträumtes Point-and-Shoot

Was will uns dieser Titel sagen? Ganz einfach, er soll andeuten, dass sich dieser Artikel damit beschäftigt, wie man am besten mit einer Point-and-shoot Kamera Wasserfälle so fotografieren kann, damit dieser “Dreamy-Effekt” entsteht.

Fangen wir zunächst mit ein wenig Theorie an:

Der “Dreamy-Effekt” entseht, wenn man fließendes Wasser, z. B. eines Wasserfalls oder eines Flusses (in dem vielleicht noch ein paar Steine liegen) mit einer langen Verschlusszeit fotografiert. Dieses Prinzip kann zum Beispiel auch auf Wellen angewendet werden – dann entseht allerdings eine Art Nebel.

Wenn man etwas höhere Wellen zum Beispiel in Küstennähe mit langer Verschlusszeit fotografiert, wird es so aussehen, als hätte sich eine dicke Nebelschicht über dem Wasser gebildet.

Die Kamera muss also so eingestellt werden, dass die Verschlusszeit besonders lang wird. Die folgenden Einstellungen können dabei helfen:

ISO: 100 oder niedriger

Blende: so weit zu, wie möglich (also hohe Zahl, z. B. 22)

Zudem hilft es, der Kamera zu einem festen Stand zu verhelfen. Dies kann man mit einem Stativ oder mit einem Bohnensack machen. Es kann aber auch reichen, die Kamera zum Beispiel auf einer kleinen Mauer oder auf einem Stein abzustellen.

Wenn man keinen Fernauslöser (Kabel, Infrarot, Funk) hat, sollte man zumindest den Selbstauslöser der Kamera einstellen. Beim Druck auf den Auslöser zählt ein Countdown (meistens 10 und/oder 2 Sekunden) herunter. Danach wird die Aufnahme gemacht. Auf diese Weise verwackelt man die Kamera beim Auslösen nicht.

Schon eine Verschlusszeit von 1/5 Sekunde beschert einen schönen “Dreamy-Effekt” bei Wasserfällen. Um diesen Effekt noch zu verstärken oder um zum Beispiel Nebel auf den Ozean zu zaubern, sollte es vielleicht schon eher eine Sekunde sein. Am Tag kann es unter Umständen zu hell sein, dass selbst ein Abblenden der Kamera und das Einstellen einer geringeren ISO-Empfindlichkeit nicht mehr ausreicht. Profis nutzen Neutral-Grau-Filter um die Verschlusszeit noch weiter zu verlängern. Diese sind in verschiedenen Stärken erhältlich (1-3 Blendenstufen und mehr). Neutral-Grau-Filter heißen im englischen neutral-density-filter, weswegen sie auch oft als ND-Filter bezeichnet werden.

Point-and-shoot Besitzer haben hier einen Vorteil, denn sie können einfach eine Sonnenbrille vor ihr Objektiv halten. Je stärker diese getönt ist, desto länger wird die Verschlusszeit. Spiegelreflexbesitzer bräuchten da schon eine von diesen Porno- tschuldigung, Police-Sonnenbrillen, um ihr komplettes Objektiv abdunkeln zu können. Wenn die Sonnenbrille einen leichten Farbstich aufweist, so ist dies nicht weiter schlimm, denn die digitale Kamera kann mit dem automatischen Weißabgleich meist sehr gut Gegensteuern. Für Fortgeschrittene ist auch eine spätere Korrektur am PC möglich.

Viele Point-and-shoots bieten leider nicht die Möglichkeit die Blende selbst einzustellen, manche erlauben noch nichteinmal die ISO-Empfindlichkeit einzustellen. Bei diesen Kameras lohnt es sich aber, einen Blick ins Handbuch zu werfen oder das Menü zu durchsuchen – einige bieten einen “Feuerwerkmodus” an, um Feuerwerk zu fotografieren. Dieser Modus versucht die Belichtungszeit so zu wählen, dass sie möglichst lang ist – genau das, was wir wollen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim ausprobieren.

Bis dahin: Drag the Shutter!